Stromversorgung auf Baustellen

24.01.2017, 08:43

Die DIN VDE 0100 Teil 704 wurde Überarbeitet. Es gibt einige wichtige Änderungen die bei der Einrichtung von Baustellen unbedingt beachtet werden müssen. Das Was und Wann wird im Folgenden genau beschrieben.

Die Norm mit dem klangvollen Titel
„Errichtung von Niederspannungsschaltanlagen DIN VDE 0100-704 (VDE 0100-704):2007-10 Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 7-704: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Baustellen“

wurde überarbeitet und beinhaltet folgende wichtige und für Ersteller und Betreiber von Baustromanlagen herausfordernde Ergänzung:

  1. „Drehstrom-Steckdosen bis einschließlich 63A müssen mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) vom Typ B in Übereinstimmung mit EN62423 geschützt werden“.
  2. Fest angeschlossene Baustromverteiler (ACS) mit Steckdosen müssen Einrichtungen zum Trennen der Einspeisung enthalten, die gegen das Einschalten abschließbar und für Laien (BA1) benutzbar sind. Eine verschließbare Umhüllung ist nicht ausreichend.

Außerdem werden Hinweise zu Abständen in Freileitungsanlagen aufgenommen und die Vorgaben zu den zu verwendenden Leitungsbauarten erweitert.

Beide genannte Punkte wurden mittlerweile in den Normengremien abschließend behandelt. Nach Abwägung der eingereichten Einsprüche und Änderungsanträge wurden die Punkte in der oben genannten Weise in die Norm übernommen.

 

Was bedeutet dies nun für den Anwender?

Zu 1.: Baustromanlagen müssen mit Inkrafttreten der neuen Norm so aufgebaut sein, dass in jedem Fall sichergestellt ist, dass Verbraucher, die nicht sinusförmige Leck- / Fehlerströme erzeugen, sicher abschalten und andere Schutzeinrichtungen nicht blockiert werden. Dies wird durch die flächendeckende Verwendung von Fehlerstromschutzschaltern (RCD) vom Typ „B“ oder „B+“ erreicht.

Zu beachten ist hier auch die DIN EN 61439-4 (VDE 0660-600-4):2013-09, Kapitel 101.5,
Abschnitt e). Hier wird ausgeführt, dass pro RCD nicht mehr als sechs Steckdosenabgänge auf einen Fehlerstromschutzschalter geschaltet werden sollen.

 

Zu 2.: Diese Forderung bedeutet, dass im Eingangsbereich von Verteilerschränken immer ein Schalter eingebaut sein muss. Ob dieser dann mit zusätzlichen Sicherungselementen ausgestattet ist, oder nur als Lastrennschalter ausgeführt wird, hängt von der Verwendung des Verteilers ab.

Wenn vom Verteiler die Versorgungsleitung weitergeschleift wird, ist ein Sicherungselement unabdingbar notwendig. Wenn der Schrank in einer sternförmig aufgebauten Stromversorgung am Ende der Versorgungsleitung eingesetzt wird, kann auf die Sicherungen verzichtet werden. Dies kann für diese Art der Anwendung eine Umrüstung bestehender Verteiler vereinfachen, da sich durch die größeren Komponenten oft ein Platzproblem ergibt. Schlussendlich bleibt die Entscheidung auch hier beim Anlagenerrichter.

 

Und bis wann wird das alles „ernst“?

Auf den Tag genau lässt sich der Fortgang des Normungsverfahrens noch nicht definieren. Aber als ziemlich „stabile Richtschnur“ kann folgender Zeitplan für die weiteren Planungen genannt werden.

Die Deutsche Norm wurde im Februar 2017 bei CENELEC eingereicht. Bis die Norm alle Formalien durchläuft und dann durch den VDE veröffentlicht wird, wird es voraussichtlich ca. Mai 2018.
Dann beginnt eine zweijährige Übergangsfrist. In dieser Zeit gelten beide Normen.

Das bedeutet von 2018 bis 2020 können Baustromanlagen gemäß beider Normen aufgebaut und betrieben werden. Der Betreiber muss sich nur klar machen, nach welcher Norm er arbeitet und dies auch dokumentieren.

Anlagen, die vor dem Stichtag im Jahr 2020 nach „alter Norm“ eingerichtet wurden, dürfen auch nach dem Stichtag in dieser Weise weiterbetrieben werden. Werden allerdings nach dem Stichtag Änderungen an der Anlage gemacht, muss dann auf den neuen Standard umgerüstet werden.

Kurz gesagt haben wir also von heute an gerechnet eine Überganszeit von circa drei Jahren.

 

Fazit:

Die normgerechte Qualifizierung des Verteilerbestandes ist und bleibt eine unternehmerische Entscheidung und liegt im Verantwortungsbereich des Unternehmers.

Wichtig in diesen Zusammenhang ist aber zu beachten, dass schon heute unter Berücksichtigung der VDE 0160 und VDE 0100 Teil 530, RCDs vom Typ B eingesetzt werden müssen.
Oder allgemein ausgedrückt: wo heute ein Gerät mit Frequenzumrichter eingesetzt wird, muss auch heute schon ein Typ B RCD im Baustromverteiler verwendet werden.

Sicher ist aber, dass die beiden oben genannten Punkte Mitte 2020 als unumstößlicher Fakt zu beachten sind.

 

Verwendete Quellen:

E DIN VDE 0100-704 VDE 0100-704:2016-12

 

Bei Fragen:

Jürgen Köhnlechner, Produktmanager, MERZ GMBH

juergen.koehnlechner@merz-elektro.de

Kernerstraße 15

74405 Gaildorf

Tel 07971 252-0

 

Autoren: Jürgen Köhnlechner, Siegfried Kreisel

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